Literatur
Im Rahmen des Projektes „Dokumentation der Schicksale aktiver NS-Gegner“ wurden folgende deutschsprachige Publikationen herausgegeben:
Čermáková, Barbora/Weber, David (Hrsg.): Sie blieben der Tschechoslowakei treu. Biographische Interviews mit deutschen Antifaschisten. Praha 2008.
Die hier veröffentlichten Interviews mit deutschen „Antifaschisten“ zeigen ganz unterschiedliche Biografien, darunter das Schicksal der deutsch-jüdischen Familie Justh, geschildert von der Tochter Elizabeth Chorovská, oder den Weg Otto Seidls, dem Sohn einer sozialdemokratisch engagierten Familie, ins schwedische Exil.
Kokošková, Zdeňka u. a.: Schicksale der vergessenen Helden. Geschichten der deutschen Antifaschisten aus der ČSR. Praha 2008.
Siebzehn Schicksale der deutschen NS-Gegner aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Das Buch beinhaltet zahlreiche Fotografien und Reproduktionen der Archivquellen.
Kokošková, Zdeňka/Pažout, Jaroslav (Hrsg.): Odsunutí hrdinové / Abgeschobene Helden. Praha 2008.
Eine Faksimile-Dokumentedition mit einer historischen Einführung und Kommentaren auf Tschechisch und Deutsch.
Okurka, Tomáš (Hrsg.): Zapomenutí hrdinové. Němečtí odpůrci nacismu v českých zemích. Vergessene Helden. Deutsche NS-Gegner in den böhmischen Ländern. Ústí nad Labem 2008.
Zweisprachige Begleitpublikation zur Ausstellung Vergessene Helden. Beinhaltet Texte der Historiker, Zeitzeugengeschichten, zahlreichen Fotografien sowie Reproduktionen der bildenden Kunst.
Wagnerová, Alena (Hrsg.), Helden der Hoffnung. Die anderen Deutschen aus den Sudeten 1935-1989. Berlin 2008.
Die Publikation bietet insgesamt fünfzehn Porträts der „anderen Deutschen aus den Sudeten“, meist Personen aus dem Arbeitermilieu, für die das Münchner Abkommen 1938 genauso eine Katastrophe war wie für die Tschechen. Trotz ihrer Hitlergegnerschaft mussten die meisten von ihnen die Heimat nach dem Krieg verlassen. Besonders eindrucksvoll ist der Bericht Helga Grafs, deren Vater sich politisch im Bund der Landwirte engagierte. In der NS-Zeit wurde die Familie ausgegrenzt und bedroht. 1945 wurde Graf mit ihren Eltern zu Fuß über die Grenze getrieben – gemeinsam mit den Nationalsozialisten ihres Dorfes, die sie verhöhnten.
Die im Rahmen des Projektes „Dokumentation der Schicksale aktiver NS-Gegner“ herausgegebene Publikationen können Sie im Museum der Stadt Ústí nad Labem erwerben oder per E-Mail bestellen: okurka@muzeumusti.cz
Weitere Literatur zum Thema
In die folgende Übersicht wurden nicht nur Titel aufgenommen, die sich direkt auf das Thema der deutschen NS-Gegner in der Tschechoslowakei beziehen. Es sind ebenfalls Bücher enthalten, die sich allgemeiner mit dem Leben (der Geschichte) der Deutschen in den böhmischen Ländern, dem Zusammenleben von Deutschen und Tschechen, der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei u. ä. befassen. Wir erachten es als wichtig, auf ein breiteres Themenspektrum zu verweisen, mit dem die Problematik deutscher NS-Gegner in der Tschechoslowakei zusammenhängt. Andererseits erhebt die nachfolgende bibliografische Übersicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit, was das Thema deutscher NS-Gegner in der Tschechoslowakei betrifft. Die Übersicht wurde in Fachliteratur (thematisch gegliedert), Memoirenliteratur und Belletristik untergliedert,
wobei die letzten beiden Teile mit kurzen Annotationen versehen wurden.
Fachliteratur
Deutsch-tschechische „Konfliktgemeinschaft“, Erste Tschechoslowakische Republik
Koschmal, Walter/Nekula, Marek/Rogall, Joachim (Hrsg.): Deutsche und Tschechen. Geschichte – Kultur – Politik. München 2001.
Daniel Kraft u. a.: Kde domov můj... Wo ist meine Heimat... Spuren deutsch-tschechischer Gemeinsamkeiten im 19. und 20. Jahrhundert. Ausstellungskatalog, Dresden 1999.
Nekula, Marek/Koschmal, Walter: Juden zwischen Deutschen und Tschechen. Sprachliche und kulturelle Identitäten in Böhmen 1800-1945. München 2006.
Schwarz, Wolfgang (Hrsg.): In Böhmen und Mähren geboren – bei uns (un)bekannt? Zwölf ausgewählte Lebensbilder. München 2009.
Hoensch, Jörg K./Kováč, Dušan (Hrsg.): Das Scheitern der Verständigung. Tschechen, Deutsche und Slowaken in der Ersten Republik (1918-1938). Essen 1994.
Kučera, Jaroslav: Minderheit im Nationalstaat. Die Sprachenfrage in den tschechisch-deutschen Beziehungen 1918-1938, München 1999.
Schaffrannek, Christof: Die politische Arbeiterbewegung in den böhmischen Ländern 1933-1938. Politisch-programmatische Wechselbeziehungen zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Strategien zur Abwehr der inneren und äußeren Bedrohung durch Hitler und die Henleinbewegung. Diss. FU Berlin 2003. http://www.diss.fu-berlin.de/2004/123/index.html (28.02.10).
Kracik, Jörg: Die Politik des deutschen Aktivismus in der Tschechoslowakei 1920-1938. Frankfurt am Main 1999.
Becher, Peter/Canz, Sigrid: Drehscheibe Prag. Deutsche Emigranten 1933-1939. München 1989.
Heumos: Tschechoslowakei, in: Krohn, Claus-Dieter u. a. (Hrsg.): Handbuch der deutschsprachigen Emigration 1933-1945. Darmstadt 1998, S. 411-426.
Brandes, Detlef: Die Sudetendeutschen im Krisenjahr 1938. München 2010.
Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Exil
Boyer, Christoph/Kučera, Jaroslav: Die Deutschen in Böhmen, die Sudetendeutsche Partei und der Nationalsozialismus, in: Möller, Horst/Wirsching, Andreas/Ziegler, Walter (Hrsg.): Nationalsozialismus in der Region. München 1996, S. 273-285.
Gebel, Ralf: „Heim ins Reich!“ Konrad Henlein und der Reichsgau Sudetenland (1938-1945). München 1999.
Glettler, Monika/Lipták, L’ubomir/Míšková, Alena (Hrsg.): Geteilt, besetzt, beherrscht. Die Tschechoslowakei 1938-1945. Reichsgau Sudetenland, Protektorat Böhmen und Mähren, Slowakei. Essen 2004.
Steinkamp, Peter: Lidice 1942, in: Ueberschär, Gerd R. (Hrsg.): Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Darmstadt 2003, S. 126-135.
Brandes, Detlef: Der Weg zur Vertreibung 1938-1945. Pläne und Entscheidungen zum „Transfer“ der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen. München 2005.
Puckhaber, Anette: Ein Privileg für wenige. Die deutschsprachige Emigration nach Kanada im Schatten des Nationalsozialismus. Diss. Trier 2000. http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=971737436 (28.02.10)
Osterloh, Jörg: Nationalsozialistische Judenverfolgung im Reichsgau Sudetenland 1938-1945. München 2006.
Kárný, Miroslav/Milotová, Jaroslava/Kárná, Margita (Hrsg.): Deutsche Politik im „Protektorat Böhmen und Mähren“ unter Reinhard Heydrich 1941-1942. Eine Dokumentation. Berlin 1997.
Valasek, Emil: Der Kampf gegen die Priester im Sudetenland 1938 bis 1945. Eine Dokumentation. Königstein 2003.
Vertreibung
Brandes, Detlef/Ivaničková, Edita/Pešek, Jiří (Hrsg.): Erzwungene Trennung. Vertreibungen und Aussiedlungen in und aus der Tschechoslowakei 1938-1947 im Vergleich mit Polen, Ungarn und Jugoslawien. Essen 1999.
Staněk, Tomáš: Verfolgung 1945. Die Stellung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien (außerhalb der Lager und Gefängnissse). Wien 2002.
Staněk, Tomáš: Internierung und Zwangsarbeit. Das Lagersystem in den böhmischen Ländern 1945-1948. München 2008.
Franzen, K. Erik: Die Vertriebenen. Hitlers letzte Opfer. Berlin, München 2001.
Slapnicka, Helmut: Die rechtlichen Grundlagen für die Behandlung der Deutschen und Magyaren in der Tschechoslowakei 1945-1948. München 1999.
Steinkamp, Peter: Aussig 1945, in: Ueberschär, Gerd R. (Hrsg.): Orte des Grauens. Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Darmstadt 2003, S. 12-18.
van Hoorn, Heike: Neue Heimat im Sozialismus. Die Umsiedlung und Integration sudetendeutscher Antifa-Umsiedler in die SBZ/DDR. Essen 2004.
Pasák, Tomáš: Přemysl Pitters Protest. Eine unbekannte tschechische Stimme gegen die Greuel in den Internierungslagern 1945, in: Bohemia 35 (1994), S. 90-104.
von Arburg, Adrian: Die Besiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder 1945-1950. Forschungsstand, ausgewählte Probleme und Arbeitsbibliographie. München 2008.
Hahn, Eva/Hahn, Hans-Henning: Flucht und Vertreibung, in: Francois, Etienne/Schulze, Hagen (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Bd. 1, München 2001, S. 335-351.
Memoiren und Zeitzeugenberichte
Demetz, Peter: Mein Prag. Erinnerungen. Wien 2007.
In „Mein Prag“ verbindet Peter Demetz seine persönlichen Erinnerungen an die Heimatstadt aus der Zeit der deutschen Okkupation 1939-1945 mit historischen Abrissen: Unterschiedliche Schrifttypen machen deutlich, ob der Autor gerade als Zeitzeuge oder als Forscher spricht. Demetz kann noch aus eigener Anschauung von dem Mit- und Nebeneinander der tschechischen, jüdischen und deutschen Kultur in Prag berichten – von einer Symbiose, die durch Hitler zerstört wurde.
Brod, Max: Streitbares Leben. Autobiographie. München 1960.
Der deutschsprachige jüdische Schriftsteller gehörte zum engeren „Prager Kreis“ und ist vor allem als Herausgeber und Nachlassverwalter Franz Kafkas bekannt. Nicht nur über ihn berichtet Brod in seiner Autobiografie, sondern auch über Begegnungen mit Franz Werfel, Martin Buber, Gustav Meyrink, Egon Erwin Kisch und vielen anderen. Erschütternd ist sein Bericht über die Abreise aus Prag 1939. Seine Beziehung zu den Deutschen beschreibt der nach Palästina ausgewanderte Brod als „Distanzliebe“.
Schlögl, Friedrich: Erfahrungsbericht eines Zeitzeugen, in: Daniel Kraft u. a.: Kde domov můj... Wo ist meine Heimat... Spuren deutsch-tschechischer Gemeinsamkeiten im 19. und 20. Jahrhundert. Ausstellungskatalog, Dresden 1999, S. 166-170.
Der kurze Bericht des Zeitzeugen Friedrich Schlögl handelt vom wenig bekannten Brauch des Schüleraustauschs zwischen deutschen und tschechischen Familien. In den 30er Jahren verbrachte Schlögl selbst mehrfach seine Sommerferien im „Tschechischen“.
Jaksch, Wenzel: Abschied von Böhmen. Die Geschichte einer Flucht, in: Sudeten-Jahrbuch 1960, hrsg. v. Seliger-Gemeinde, München, S. 11-28.
Wenzel Jaksch, der letzte Vorsitzende der DSAP, zählt zu den bekanntesten sudetendeutschen Sozialdemokraten. Der überzeugte Hitlergegner ist wegen seiner ambivalenten Haltung zur Tschechoslowakei und seinem späteren Wirken als Vertriebenenpolitiker nicht unumstritten. In „Abschied von Böhmen“ schildert er die Organisation der Ausreise der zahlreichen Flüchtlinge in Prag in letzter Minute vor dem Einmarsch der Wehrmacht und seine eigene abenteuerliche Flucht.
Friesová, Jana Renée: Festung meiner Jugend. Eine Familie unter den nationalsozialistischen Rassengesetzen. Prag – Furth im Wald 2004.
Die Familie Jana Renée Friesovás stammt aus dem typischen deutsch-tschechisch-jüdischen Milieu des böhmischen Kulturraums. Zur „Jüdin“ wird sie jedoch durch die Nationalsozialisten gemacht. Eindringlich schildert die Zeitzeugin die stufenweise Ausgrenzung und die Jahre der Bedrohung, Angst und Demütigung im Konzentrationslager Theresienstadt.
Mannheimer, Max: Spätes Tagebuch. Theresienstadt – Auschwitz – Warschau – Dachau. Zürich – München 2000.
Max Mannheimer gehört durch seine unermüdliche Vermittlungsarbeit zu den in Deutschland wohl bekanntesten Zeitzeugen des Holocaust. Geboren wurde der heute 90-Jährige in der Tschechoslowakei. In seinem „Späten Tagebuch“ schildert er seine Jugend in Neutitschein (Nový Jičín), vor allem aber seine Verfolgungsgeschichte: den langen Weg durch die Konzentrationslager des NS-Regimes bis zur Befreiung 1945, bei der fast seine gesamte Familie ermordet wurde.
Exler, Albert: Das große Wagnis. Ein Rettungsversuch für die unfreie Heimat. Stuttgart 1965.
Die Hoffnung auf eine sudetendeutsche Erhebung gegen den Nationalsozialismus prägte das Denken führender sudetendeutscher Sozialdemokraten im Exil. Albert Exler wurde als Fallschirmspringer in die Grenzgebiete geschickt. Er war der einzige Überlebende einer Mission, die zum Scheitern verurteilt war, wie in seinem Erlebnisbericht deutlich wird.
Beer, Fritz: Hast Du auf Deutsche geschossen, Grandpa? Berlin 1992.
Ob er auf Deutsche geschossen habe, hatten die Enkel als Kinder eines Tages gefragt. Doch das Leben des deutschsprachigen Erzählers und Journalisten aus Brünn (Brno), der in Deutschland und später in England lebte und der in Frankreich in der tschechoslowakischen Auslandsarmee diente, entzieht sich simplen nationalen Kategorien. Beers Autobiografie ist das Panorama einer Epoche, erzählt aus der Sicht eines politisch und literarisch engagierten Zeitzeugen.
Tumler, Sigrid John: Theresienstadt 1945/1946, in: Dachauer Hefte 25 (2009), S. 282-300.
Sigrid John Tumler beschreibt aus eigener Erinnerung die Gewaltexzesse in Prag bei Kriegsende und die Internierung der Deutschen, unter anderem im ehemaligen KZ Theresienstadt. Dabei beschönigt sie nichts, schreibt aber gleichzeitig reflektiert und ohne Hass.
Fritsch, Hugo: Hugo, das Delegationskind. Autobiographische Dokumentation eines Zwölfjährigen über Flucht, Vertreibung und Tod seiner Familie. Oberaudorf 2000.
Bei Kriegsende flieht die Familie Fritsch aus Brünn, wird dann, wie viele Deutsche, interniert und muss Zwangsarbeit leisten. Die Angehörigen des damals zwölfjährigen Hugo überleben die Verhältnisse im Lager nicht. Der Waisenjunge wird schließlich durch das Rote Kreuz aus dem Lager geholt. Fritsch beschreibt die damaligen Ereignisse aus der Sicht eines Kindes, die keine politische war. Den Titel der Neuauflage „Als Benes meine Familie zerstörte“ lehnte der Autor daher ab.
Eckelt, Gerda: Wo ist mein heim, mein Vaterland? [Ústí nad Labem] 1997.
Eine tschechische Historikerin aus ihrer Heimatstadt Aussig (Ústí nad Labem) hat Gerda Eckelt überzeugt, ihre Memoiren niederzuschreiben. Sie berichtet von den Tagen ihrer Kindheit und Jugend in Böhmen, von den Kriegsjahren und dem Neuanfang in Baden-Württemberg. Auch die Wiederbegegnung mit der alten Heimat ist Thema ihrer Autobiografie.
Romane und Erzählungen
Reinerová, Lenka: Das Traumcafé einer Pragerin. Erzählungen. Berlin 1999.
Lenka Reinerová, die erst kürzlich verstorbene Grand Dame der deutschen Prager Literatur, verbindet die Erinnerung an selbst Erlebtes und Erlittenes mit Fiktion. In ihren Erzählungen spricht sie mit den verstorbenen Literaten und Künstlern ihrer Heimatstadt, die sie persönlich kannte. Sie erzählt und reflektiert aus heutiger Sicht die Stationen ihres Lebens: Prag der Vorkriegszeit, Inhaftierung durch die Nationalsozialisten, Exil in Frankreich und Mexiko, Stalinismus der 50er Jahre.
Mühlberger, Josef: Bogumil. Das schuldlose Leben und schlimme Ende des Edvard Klíma. München 1980.
Josef Mühlberger, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer aus Trautenau (Trutnov), war Sohn eines Deutschen und einer Tschechin und wirkte zeitlebens als Mittler zwischen diesen beiden Kulturkreisen. Die Hauptfigur seines letzten Romans „Bogumil“ stammt ebenfalls aus einer deutsch-tschechischen Familie. Sie wird Opfer der Aggressionen beider Seiten.
Härtling, Peter: Janek. Porträt einer Erinnerung. Stuttgart 1966.
„Janek“ ist die Geschichte eines Weisenjungen auf der Suche nach seiner Identität. Die Erinnerungen lassen ihn nicht los: Von den Deutschen wurde Janek als Jude gefoltert, von den Tschechen als Deutscher ausgewiesen. Auch in anderen Romanen thematisiert Peter Härtling die deutsch-tschechischen Beziehungen. „Große, kleine Schwester“ behandelt das Schicksal zweier Frauen aus Brünn vom Ersten Weltkrieg bis zur Zeit nach der Vertreibung in der Bundesrepublik.
Strohschneider, Gottfried: ...in ordnungsgemäßer und humaner Weise. Der Tag der Vertreibung. München – Wien 1985.
Ein Junitag des Jahres 1945 in einem Dorf im Elbtal: Die deutschen Bewohner müssen ihre Häuser verlassen und werden zum Bahnhof geführt. Der Autor schildert den Tag der Vertreibung aus wechselnden Perspektiven der Betroffenen und Beteiligten. Er beschreibt die Vorgänge sensibel und vermeidet grelle Töne.
Filip, Ota: Die stillen Toten unterm Klee. Wiedersehen mit Böhmen. München 1992.
Der tschechische Schriftsteller Ota Filip wurde 1974 von den Kommunisten ausgebürgert und lebt seitdem in Deutschland. Er schreibt in beiden Sprachen. In seinen Romanen und Erzählungen thematisiert er immer wieder die deutsch-tschechischen Beziehungen auf zugleich tragische und humorvolle Weise. In den Reportagen des genannten Buches geht es um die Schwierigkeiten, nach Krieg und Vertreibung neue Beziehungen zu knüpfen.
Holub, Josef: Der rote Nepomuk. Weinheim – Basel 1997.
Die Handlung des Jugendbuches spielt im Sommer vor dem Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechoslowakei. Es zeigt das zerbrechliche Idyll der Vorkriegszeit. Der Roman handelt von einer Freundschaft zwischen einem Deutschen und einem Tschechen und deren Abenteuern. Im Anhang werden deutschböhmische und tschechische Begriffe erläutert.
Pedretti, Erica: Engste Heimat. Frankfurt am Main 1995.
Erica Pedretti, die ihre Kindheit bis 1945 in Mähren verbrachte, greift in ihren autobiografisch geprägten Romanen die Kindheitserfahren von Identitäts- und Heimatverlust auf, so auch in „Engste Heimat“. Die Hauptfigur kehrt nach drei Jahrzehnten in ihre mährische Heimatstadt zurück, doch Krieg und Vertreibung haben ihren Erinnerungen die kindliche Unschuld genommen. Held ihrer Kindheit ist der Onkel, der auf Seite der Tschechen gegen Nazideutschland kämpfte.
Tietz, Gerold: Böhmisches Richtfest. Passau 2007.
Böhmen ist der Schauplatz dieses Romans, auch wenn seine Hauptpersonen im Schwäbischen leben. Er erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, dessen böhmische Heimat hinter dem Eisernen Vorhang verschwindet. Gernot erkennt, dass jenseits des selbst erlittenen Unrechts auch in seiner Familie viel beschönigt und verschwiegen wird. Tietz setzt sich in seinem letzten Roman erneut mit einem guten Schuss Selbstironie und Satire mit dem sudetendeutschen Vertriebenenmilieu auseinander.